IT-Beratung & Digitalisierung
Excel oder CRM: Wann lohnt sich der Wechsel für kleine Unternehmen?
Excel kann für die Kundenverwaltung ausreichen. Wann ein CRM sinnvoll wird, welche Funktionen wirklich zählen und wie Sie den Wechsel mit einem kleinen Test vorbereiten.
Ein CRM lohnt sich, wenn Ihr Team Kundenkontakte und nächste Schritte nicht mehr zuverlässig mit der vorhandenen Tabelle organisiert bekommt. Die Zahl der Excel-Zeilen allein ist kein guter Maßstab. Wichtiger ist, wie viele Personen an einem Vorgang arbeiten, welche Informationen sie brauchen und ob Aufgaben liegen bleiben.
CRM steht für Customer Relationship Management. Gemeint ist hier ein System, das Kontakte, Gesprächsverläufe, Aufgaben und Verkaufschancen zusammenführt. Es soll dem Team zeigen, was als Nächstes zu tun ist. Eine neue Software löst allerdings keine unklaren Zuständigkeiten: Diese müssen Sie auch dort festlegen.
Wann Excel weiterhin eine gute Lösung ist
Eine Tabelle kann ausreichen, wenn die Kundenverwaltung überschaubar ist, wenige Personen sie pflegen und die nächsten Schritte verlässlich organisiert sind. Typische Aufgaben sind eine einfache Kontaktliste, eine Auswertung oder eine klar begrenzte Projektübersicht.
Auch gemeinsames Bearbeiten ist möglich. Microsoft beschreibt die Voraussetzungen für gemeinsame Dokumenterstellung in Excel. „Mehrere Mitarbeiter“ bedeutet daher nicht automatisch, dass Excel ersetzt werden muss.
Bevor Sie neue Software kaufen, helfen oft schon ein gemeinsamer Ablageort, feste Spalten, eindeutige Statuswerte und eine verantwortliche Person. Für eine einfache Anfragenliste könnten das sein:
- Vorgangsnummer und Eingangsdatum
- Kunde und Kontaktweg
- Anliegen und aktueller Status
- zuständiger Mitarbeiter
- nächster Schritt und Wiedervorlagedatum
Das funktioniert nur, wenn das Team diese Angaben tatsächlich pflegt. Fehlen die Regeln, wandert das gleiche Problem später ins CRM.
Fünf Anzeichen, dass Sie ein CRM prüfen sollten
1. Niemand weiß sicher, wer sich kümmert
Eine Anfrage steht in der Tabelle, die E-Mail liegt bei einer Kollegin und ein Rückruf wurde telefonisch zugesagt. Ein sinnvoll eingerichtetes CRM zeigt Verantwortung und nächsten Schritt direkt am Vorgang. Das hilft besonders bei Urlaub und Vertretung.
2. Nachfassen hängt am Gedächtnis
Angebote wurden verschickt, aber es gibt keine verlässliche Wiedervorlage. Prüfen Sie eine Lösung, die offene Aufgaben sichtbar macht und an vereinbarte Termine erinnert. Nicht jede Erinnerung muss automatisch beim Kunden landen; oft genügt zunächst eine Aufgabe für den Mitarbeiter.
3. Die Vorgeschichte muss jedes Mal zusammengesucht werden
Wer vor einem Rückruf mehrere Postfächer, Dateien und Notizen durchsucht, verliert Zeit. Ein CRM kann freigegebene Gesprächsnotizen, Angebote und Aktivitäten einem Kontakt zuordnen. Klären Sie dabei, welche Informationen überhaupt übernommen werden sollen und wer sie sehen darf.
4. Mehrere Kopien erzählen unterschiedliche Geschichten
Verschiedene Tabellenstände und uneinheitliche Kundennamen erschweren die Arbeit. Ein zentraler Datenbestand kann helfen. Voraussetzung bleiben eindeutige Kennungen und Regeln zur Dublettenprüfung. Ein CRM erkennt nicht automatisch, dass zwei ähnlich geschriebene Firmennamen denselben Kunden meinen.
5. Dieselben Angaben werden mehrfach eingetippt
Wird eine Adresse aus der Website-Anfrage in Excel und anschließend in die Auftragsverwaltung kopiert, kann eine Schnittstelle helfen. Dafür muss nicht zwingend die gesamte Kundenverwaltung ersetzt werden. Manchmal genügt es, vorhandene Software gezielt zu verbinden.
Beispiel: Vom Anfrageeingang zur Wiedervorlage
Das folgende Beispiel ist ein fiktiver Arbeitsablauf, kein Kundenbericht. Ein kleiner Dienstleistungsbetrieb bearbeitet Website-Anfragen mit zwei Personen. Die heutige Liste enthält Namen und Telefonnummern. Ob schon geantwortet wurde, steht nur im jeweiligen Postfach.
Für einen ersten CRM-Test reicht ein überschaubarer Ablauf:
- Eine neue Anfrage wird mit einer eindeutigen Vorgangsnummer erfasst.
- Ein Mitarbeiter übernimmt sie und prüft, ob Angaben fehlen.
- Nach dem Gespräch werden Ergebnis und nächster Schritt notiert.
- Ein versendetes Angebot erhält einen Wiedervorlagetermin.
- Der Vorgang wird mit einem nachvollziehbaren Ergebnis abgeschlossen.
Die entscheidende Prüfung lautet: Kann die Vertretung ohne Rückfrage erkennen, was besprochen wurde und was jetzt ansteht? Ein übersichtlicher Test mit wenigen Funktionen ist dafür aussagekräftiger als eine lange Liste möglicher Zusatzmodule.
Welche Funktionen wirklich auf die Prüfliste gehören
Für den Einstieg: Kontakt- und Firmenzuordnung, klare Zuständigkeiten, Notizen, Aufgaben, Wiedervorlagen und eine verständliche Suche.
Abhängig vom Ablauf: E-Mail-Anbindung, mobile Nutzung, Angebotsverwaltung, Formulare oder eine Verbindung zur bestehenden Auftragssoftware. Lassen Sie anhand Ihres konkreten Ablaufs zeigen, ob die gewünschte Funktion im vorgesehenen Tarif enthalten ist.
Für den Betrieb: Rollen und Zugriffsrechte, Exportmöglichkeiten, Sicherung und Wiederherstellung, nachvollziehbare Änderungen sowie ein Ansprechpartner bei Störungen. Prüfen Sie auch, was bei einem Anbieterwechsel exportiert werden kann.
Nicht jedes Unternehmen braucht Vertriebsprognosen, automatische Kampagnen oder KI-Funktionen. Wählen Sie zunächst die Funktionen, die ein beobachtetes Problem lösen.
Was Sie beim Kostenvergleich berücksichtigen sollten
Der Monatsbetrag pro Nutzer ist nur ein Teil. Erfassen Sie auch Einrichtung, Datenbereinigung, Import, Schulung, Schnittstellen, Zusatzmodule und laufende Betreuung. Bei einer individuellen Lösung kommen Entwicklung und Betrieb hinzu.
Messen Sie vor der Entscheidung eine typische Arbeitswoche: Wie lange dauern Zuordnung, Informationssuche, Nachfassen und doppelte Dateneingabe? Wiederholen Sie die Messung im Pilotbetrieb. Gewonnene Zeit wird erst dann wirtschaftlich nützlich, wenn das Team sie tatsächlich für andere Aufgaben einsetzen kann.
Es gibt deshalb keinen seriösen pauschalen Schwellenwert wie „Ab 100 Kunden brauchen Sie ein CRM“. Bei komplexen Vorgängen kann eine kleine Kundenzahl reichen; eine große, selten veränderte Kontaktliste kann weiterhin in einer Tabelle funktionieren.
Den Wechsel in sechs Schritten vorbereiten
- Einen Ablauf auswählen: Beispielsweise neue Anfragen bis zum Angebot. Nicht sofort alle Abteilungen umstellen.
- Pflichtangaben festlegen: Welche Daten, Statuswerte und Zuständigkeiten braucht genau dieser Ablauf?
- Daten bereinigen: Dubletten prüfen, veraltete Einträge aussortieren und die Bedeutung jeder Spalte dokumentieren.
- Mit einer kleinen Auswahl testen: Zunächst geeignete Testdaten verwenden; anschließend einen begrenzten Pilot mit geregelten Zugriffsrechten durchführen.
- Ergebnisse abgleichen: Stimmen Anzahl, Zuordnung, Aufgaben und Termine? Kann das Team den Ablauf ohne zusätzliche Schattenlisten bearbeiten?
- Umstellung planen: Verantwortliche, Schulung, Stichtag, Sicherung und Rückfallweg festlegen. Alte und neue Bestände dürfen nicht unkontrolliert auseinanderlaufen.
Bestehende Software zuerst ansehen
Vielleicht bietet Ihr vorhandenes System bereits eine passende Kundenverwaltung oder Aufgabenfunktion. Dann können eine bessere Einrichtung oder eine kleine Ergänzung ausreichen. Eine individuelle Anwendung ist besonders dann prüfenswert, wenn wichtige Abläufe mit Standardsoftware nur schwer abgebildet werden können; sie bringt aber eigene Wartungs- und Betriebsaufgaben mit.
Bei unserer IT-Beratung in Bielefeld betrachten wir deshalb zuerst Ihre Arbeitsweise und die vorhandenen Programme. Im kostenlosen Erstgespräch grenzen wir das Problem und einen passenden nächsten Schritt ein. Ein ausführlicher Digitalisierungs-Check und eine spätere Umsetzung werden bei Bedarf jeweils separat mit Umfang und Preis vereinbart.